Zum Artikel „Soll die Waffen-SS rehabilitiert werden?“ in der Mitteldeutschen Zeitung vom 24.03.2026
28. März 2026
Der Landesverband der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten Sachsen-Anhalt (VVN-BdA), dessen Mitglieder, insbesondere die Überlebenden der Konzentrationslager und Zuchthäuser, sich nach der Befreiung vom Faschismus in allen vier Besatzungszonen für eine konsequente Entnazifizierung einsetzten, weist entschieden das Bestreben der in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextrem eingestuften Partei AfD zurück, die Verbrechen des deutschen Faschismus zu relativieren und damit die Täter zu rehabilitieren.
Im Entwurf des Wahlprogramms der AfD zur Landtagswahl im September 2026 wird eine Neuausrichtung der deutschen Geschichte gefordert. Die Partei verunglimpft die kritische Beschäftigung mit den zwölf Jahren des Faschismus an der Macht, mit den Blutspuren im eigenen Land gegen Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma und politische Gegner*innen, mit den Raub- und Vernichtungskriegen gegen die europäischen Völker und mit der Ermordung der europäischen Jüdinnen und Juden als „Nationalmasochismus“, da es sich um einen Ausrutscher in der ansonsten ruhmreichen deutschen Geschichte handele.
Demokratische Bildungs-, Aufklärungsarbeit unseres Verbandes, emotional-politische Wissenserweiterung durch Besuche von Gedenkstätten werden als abzuschaffendes Mittel der Identitätsstörung, als zu überwindender Schuldkult bezeichnet. Bei erhoffter Machtübernahme soll dieses „Gedenkstättenzeugs“ durch echtes „Deutschtum“, durch echte Deutsche, ersetzt werden.
In diesem Zusammenhang will die AfD eine Neubewertung der im Dienste des deutschen Faschismus gestandenen Wehrmacht – insbesondere auch der Waffen-SS – vornehmen. Im Fokus dabei: deutsche Soldaten der Wehrmacht, der Waffen-SS, seien zu ehren, denn nach dem Verständnis der AfD hätten sie ihr Leben in Tapferkeit für ihr Vaterland gegeben.
Diese völkisch-nationalistische Denkweise, die völlige Umkehr von Ursache und Wirkung, weisen wir entschieden zurück.
Der internationale Gerichtshof in Nürnberg hat 1946 die Waffen-SS auf der Grundlage ihrer Mordaktionen und Massaker. des blutigen, in enger Zusammenarbeit mit der Wehrmacht durchgeführten Vernichtungskrieges gegen die Völker Europas als verbrecherische Organisation eingestuft.
Mit der von der AFD geforderten 180°-Wende in der Bewertung der deutschen Geschichte soll der Boden bereitet werden für ein geschlossenes, autoritäres, völkisch-nationalistisches Gesellschaftssystem.
Junge Menschen, dann von lästigem „Schuldkult“ befreit, sollen dann in gewaltsame Abschiebungen von angeblich „minderwertigen“ Nichtdeutschen, von politisch Andersdenkenden, aktiv einbezogen werden.
Das lassen wir nicht zu. Das gab es schon einmal von 1933 bis 1945.
Es gilt das Vermächtnis der ehemaligen Häftlinge der Konzentrationslager, der Zuchthäuser, der Partisan*innen, der Emigrant*innen, der Kämpfer*innen in den alliierten Armeen, ihr: „Nie wieder“.
Die Nachgeborenen tragen keine Schuld, aber sie stehen in historischer Verantwortung. In dieser Verantwortung stehen sind wir als Landesverband VVN- BdA in Sachsen-Anhalt, Träger der lokalen Kampagne „AfD-Verbot jetzt“.
Wir fordern, dass die politisch Verantwortlichen über den Bundesrat, Bundestag, auf Grundlage des Artikels 21 des Grundgesetzes, endlich ihrer politischen Pflicht nachkommen, der erwiesen verfassungsfeindliche AfD über einen Verbotsantrag beim Bundesverfassungsgericht die Möglichkeit zu nehmen, unser demokratisches Gesellschaftssystem auszuschalten.
Gisela Döring
Landesvorsitzende
Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten Sachsen-Anhalt e.V.
