Redebeitrag zum 81. Gedenken an die Befreiung des KZ Langenstein-Zwieberge

16. April 2026

Liebe Anwesende, vor allem liebe Angehörige der ehemaligen Häftlinge,

Vor 81 Jahren wurden die Zurückgelassenen, die Kranken, die Sterbenden, die Wenigen , die die Todesmärsche überlebten, befreit. Nur ein Teil Ihrer Väter, Großväter, Urgroßväter , liebe Angehörige , überstand das Inferno. Sie wurden hier von den deutschen Faschisten misshandelt, erniedrigt, zusammengeschlagen, ermordet, ihrer Menschenwürde beraubt.

Menschen aus 23 europäischen Ländern als Arbeitssklaven für die deutsche, selbsternannte Herrenrasse, für den deutschen Sieg.

Ort des Leidens, Ort des Grauens hier. Wenn die Steine schreien könnten, sie hätten von April 1944 bis April 1945 geschrien.

Nur wenige wurden für ihre unfassbaren Untaten, für die ausgeklügelte Vernichtung von Menschen durch Arbeit, verurteilt.

Dafür kein Vergeben , kein Vergessen! Stattdessen Mahnung an die Lebenden.

Als Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, gegründet von den Überlebenden der KZ und Zuchthäuser, vorwiegend jetzt von den Nachkommen derer fortgesetzt, stehen wir in dem Vermächtnis.

Das erste Mahnmal hier, eines der ersten in Deutschland, wurde von Mitgliedern der VVN, von Überlebenden der KZ, für ihre hier ermordeten und überlebenden Kameraden, im Gedenken und zur Ehre, errichtet.

Als Landesverband der VVN-BdA Sachsen-Anhalt sind wir, wie Sie, liebe Angehörige, fassungslos, empört, über die moralisch zutiefst zu verurteilende Privatisierung des Stollens, dem Ort des Leidens der ehemaligen Häftlinge.

Ein ehemaliges KZ als Ware auf dem freien deutschen Markt. In einem Land, das 1945 die Schande der Welt war. In einem Land, das, vorrangig auch durch Überlebende der KZ und Zuchthäuser, Emigranten, Kämpfer in den alliierten Armeen, Partisanen, wieder einen Platz in der Völkergemeinschaft fand. Ein Skandal.

Sie haben sich dagegen gewandt. Wir als Landesverband VVN-BdA ebenso mit dringenden Schreiben an den Ministerpräsidenten, mit der Forderung der Revidierung der pietätlosen Privatisierung. Dieser Ort muss insgesamt ein Ort der Stille, des Gedenkens , der Mahnung sein!

Wir Nachfahren tragen keine Schuld an den Verbrechen unserer faschistischen Vorfahren, aber wir stehen in historischer Verantwortung.

In diesem Sinne danken wir auch den Schülerinnen und Schülern, den Mitarbeiter*innen der Gedenkstätte, vor allem aber auch Ihnen , den Angehörigen der ehemaligen Häftlinge, für Ihre herzliche Zuwendung an uns.

Im Vermächtnis der Überlebenden der KZ und Zuchthäuser vereinen wir uns, werden täglich mehr, und kämpfen wir gegen den wiedererstarkten Neofaschismus, für eine Welt des Friedens und der Freiheit!

Gisela Döring Landesvorsitzende VVN-BdA Sachsen-Anhalt