Zum Artikel „Gedenken geschändet“ in der Mitteldeutschen Zeitung vom 28.05.2026

1. Juni 2026

Als Landesverband der VVN-BdA Sachsen-Anhalt, bundesweit die älteste antifaschistische Organisation Deutschlands, gegründet von den Überlebenden der KZ und Zuchthäuser, der Emigrant*innen, der Partisan*innen, der Kämpfer*innen in den alliierten Armeen, sind wir irritiert über die Darstellungsweise in oben genannten Artikel.

Es handelte sich hier, am beschriebenen Gedenken zum 8. Mai auf dem Südfriedhof in Halle, nicht um zwei Gruppen, wie im Artikel dargestellt, die um die Deutungshoheit über den „Tag der Befreiung“ streiten. Davon kann keine Rede sein.

Während die „Bewegung Halle“, eine in Corona-Zeiten gegründete temporäre Gruppierung ist, die sich mit Verschwörungstheorie zur Begründung ihrer Impfgegnerschaft aufgerüstet hat und sich nun selbst als „Friedensbewegung“ inszeniert, wobei sie die Teilnahme von Personen aus der rechten Szene bis zur neofaschistischen AfD aktiv begrüßt und in den letzten Jahren mehrfach Wahlkampf für die gesichert rechtsextreme Partei gemacht hat, wurde unser Verband im stärksten Kontrast dazu 1947 von den Überlebenden gegründet und ist über unsere Bundesvereinigung Teil der europäischen Vereinigung der Verfolgtenverbände des deutschen Faschismus (FIR).

Die Ausrichtung des Gedenkens zum „Tag der Befreiung“ durch unsere antifaschistische Organisation hat ihren Ursprung im Schwur der von den Alliierten befreiten Häftlinge in den KZ: „Nie wieder Krieg. Den Faschismus mit der Wurzel ausrotten. Für eine Welt des Friedens und der Freiheit.“

In diesem Vermächtnis stehend gestalten wir als Teil unserer Erinnerungs- und Gedenkarbeit, als Angebot und Einladung für demokratisch verfasste Bürger*innen den „Tag der Befreiung“, um den Alliierten in ihrer Gesamtheit für die Befreiung vom deutschen Faschismus Dank abzustatten, eingeschlossen auch den Dank an die deutschen Widerstandskämpfer*innen.

Im Interesse einer würdigen Gedenkveranstaltung zum diesjährigen 81. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus teilten wir den auf dem Südfriedhof anwesenden Vertreter*innen der „Bewegung Halle“ mit, dass wir eine gemeinsame Gedenkveranstaltung aus politisch-inhaltlichen Gründen, die diametral zur antifaschistischen Ausrichtung des Gedenkens stehen, ausschließen, insbesondere wegen ihrer Nähe zu rechtsextremen Personen und zur menschenverachtenden Partei AfD.

Dem kamen sie widerstrebend nach. Am Mahnmal selbst erreichte unsere Versammlungsleitung relative räumliche Distanz. Einige verbale Störungen konnten von unserer Seite erfolgreich abgewehrt werden. Trotz dieser bewusst eingesetzten Störungen konnte unsere Gedenkstunde in Reden und Rezitationen in dem Tag angemessener Würde durchgeführt werden.

Die sogenannte „Bewegung Halle“ kann dann am Gedenken teilnehmen, wenn sie es schafft, sich vom extrem rechten Gedankengut zu distanzieren. Die Reaktionen auf den 8. Mai lassen aber nicht darauf hoffen, es ist vielmehr das Gegenteil zu erwarten. Statt kritische Reflexion setzen einige Führungsfiguren bei ihren montäglichen Tiraden auf absurde Unterstellungen und beweisen einmal mehr, dass sie die Würde des Ortes und des Tages in keiner Weise verinnerlicht haben. Wer nicht antifaschistisch handelt, denkt und fühlt hat beim Gedenken am 8. Mai nichts verloren. Es geht also keineswegs um einen Konflikt zwischen Gruppierungen mit gleichberechtigten Ansprüchen, sondern es geht darum, dass die „Bewegung Halle“ vermeintlich abgeschnittene Kränze auch jetzt noch nutzen will, um ihre Störungen fortzusetzen. Das werden wir nicht zulassen.

Gisela Döring
Landesvorsitzende LV VVN-BdA Sachsen-Anhalt

Hier der Presseartikel: https://www.mz.de/lokal/halle-saale/gedenken-geschandet-vorfall-an-sowjet-mahnmal-auf-dem-sudfriedhof-in-halle-4256438