Otto Schlag (1889 bis 1944)
7. Juni 2026
Gewerkschaften, KZ Esterwegen, KZ Sachsenhausen, Weißenfels
„Roter Betriebsrat“, Mitglied des Preußischen Landtages, Kommunist
Aufgewachsen in einem klassenbewussten sozialdemokratischen Elternhaus trat Otto Schlag schon während seiner Schlosserlehre der Sozialistischen Arbeiterjugendbewegung bei. Seine dort in Aktionen und Schulungen erworbene antimilitaristische Haltung fand im November 1918 ihren revolutionären Niederschlag beim Aufstand der Kieler Matrosen. Er war einer von denen, die das Feuer aus den Öfen rissen und damit das Fanal zur Novemberrevolution gaben.
Als Angehöriger des Soldatenrates, Mitglied des linken Flügels der USPD, später der KPD, blieb es lebenslang seine leidenschaftliche Intention, die Ziele der niedergeschlagenen Novemberrevolution zum Siege zu führen.
So kämpfte er 1921 im Mitteldeutschen Aufstand in den vordersten Reihen der aufständischen Arbeiter, setzte dann seine politische Arbeit als Funktionär des Bergarbeiterverbandes und „roter Betriebsrat“ auf der „Grube Hedwig“, nahe Weißenfels, fort. Für seinen kompromisslosen Kampf im Sinne der Interessen der Bergarbeiter wurde er aus dem Verband ausgeschlossen. Die Antwort der Kumpel: Seine erfolgreiche Wahl als Abgeordneter des Preußischen Landtages.
1930 führte Otto Schlag den Massenstreik der Mansfelder Bergarbeiter, dabei als Internationalist in Verbindung stehend mit französischen und belgischen Bergarbeitern, die zur gleichen Zeit gegen Ausbeutung und für soziale Gerechtigkeit streikten.
Otto Schlag gehörte zu dem Kreis um den politischen Sekretär, Paul Suhr, der KPD-Bezirksleitung Halle-Merseburg, die zur Aktionseinheit der Arbeiterklasse angesichts der drohenden Gefahr des Faschismus aufriefen, als Kommunisten und Gewerkschafter persönliche Überzeugungsarbeit leisteten, aber es gelang auch ihnen nicht, die Spaltung der Arbeiterklasse zu überwinden.
Im April 1933 wurde Otto Schlag von den Faschisten verhaftet. Sein Leidensweg führte ihn vom KZ Lichtenburg in das KZ Esterwegen. Im letzteren als Blockältester eingesetzt und Mitglied der illegalen Lagergemeinschaft konnte er vielen Mithäftlingen Schutz und moralische Stärkung geben.
Mitte 1939 wurde er entlassen, im gleichen Jahr, nach dem Überfall auf Polen, aus Sicherheitsgründen erneut verhaftet und in das KZ Sachsenhausen geworfen.
Nach seiner Freilassung dort, schwer krank durch Folter und Entbehrungen, setzte er trotzdem in ungebrochener revolutionärer Leidenschaft seinen illegalen Kampf fort.
In strengster Konspiration kam es zu einigen Treffen mit Anton Saefkow, einem der Leiter einer der größten Widerstandsorganisationen Deutschlands in Berlin, mit dem Ziel, auch Halle-Merseburg in das Netz der konspirativ verbundenen Widerstandsgruppen zu integrieren.
Es gelang Otto Schlag trotz schlechtem Gesundheitszustand mit anderen Genoss*innen in einigen halleschen Betrieben, wie in der Malzfabrik, kleinste Widerstandszellen aufzubauen, Informationen verschlüsselt weiterzugeben, Flugblattaktionen zu organisieren, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, immer hoffend, dass es noch möglich sei, die faschistische Terrorherrschaft von innen heraus zu beseitigen.
Es war ihm nicht vergönnt, seinen Kampf gegen den Faschismus weiter zu führen.
Am 22. April 1944 verstarb Otto Schlag an den Folgen der langjährigen KZ-Haft.
Gisela Döring
