von Kamerad Klaus-Peter Schuckies (Landesvorstandsmitglied)
Zum 78. Jahrestag des faschistischen Massakers vom 13. April 1945 in Gardelegen gab es am Dienstag, 11. April 2023, eine Gedenkveranstaltung am historischen Tatort. Zum diesjährigen thematischen Schwerpunkt der Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe (GFI) „Erinnerungen weitergeben“, wenn es die Zeitzeugen-Generation nicht mehr gibt, sprach Franciska Henning (Bild Mitte), amtierende Präsidentin und Gründungsmitglied des Young Committee der Amicale Internationale KZ Neuengamme, die eindrucksvolle sehr persönlich gehaltene Gedenkrede.
Seit gestern Abend ist Jom haScho’a, der Tag zur Erinnerung an die Opfer der Schoah und den jüdischen Widerstand gegen das faschistische Deutschland. In Halle wurden von der Jüdischen Gemeinde u.a. die 2.092 Namen von Jüdinnen und Juden aus Sachsen-Anhalt verlesen, die ermordet wurden. Der Gedenktag selbst ist in Israel entstanden und es finden inzwischen weltweit Gedenkveranstaltungen statt. Ein Beispiel für den heldenhaften Widerstand gegen den grausamen Massenmord stellt der Aufstand im Warschauer Ghetto am 19. April 1943 dar, der sich gegen die Deportation der Bewohner*innen in die Vernichtungslager wehrte. Vom Januar bis zum Mai 1943, als die Nazis den Bezirk endgültig zerstörten, dauerten die Widerstandsaktionen an, die wenigen überlebenden Kämpfer*innen setzten ihren Widerstand an anderer Stelle fort und riskierten ihr Leben zur Verteidigung und zur Überwindung des Nazismus.
Heute nahmen wir an der öffentlichen Gedenkfeier anlässlich des 78. Jahrestages der (Selbst-)Befreiung des KZ Buchenwald teil. Trotz des Buchenwaldwetters nahmen zahlreiche Besucher, darunter Kamerad*innen aus vielen verschiedenen Landesverbänden und Basisorganisationen am Gedenktag teil. Aufmerksam Folgten wir dem Stationen-Rundgang über das Gelände des ehemaligen Lagers und hörten eindrückliche Berichte, die das grausame Unrecht im Lager, die Geschichte der Kinder im KZ, die Todesmärsche durch Jena und so vieles mehr schilderten.
Die Reden bei der Gedenkfeier thematisierten Rassismus, Antisemitismus und Antiziganismus als Gefahren für Demokratie, Freiheit und Frieden im Sinne des Schwurs von Buchenwald und stellten aktuelle Bezüge zu extrem rechten AFD und Höcke, sowie dem russischen Krieg gegen die Ukraine her. Besonders eindrücklich war die Solidaritätsaufforderung des fast einhundertjährigen ehemaligen Buchenwaldhäftlings Raymond Renaud.
Am 11. April 1945, also heute vor 78 Jahren, fand die Selbstbefreiung der Gefangenen des KZ Buchenwalds statt. Kurz danach befreiten US-Soldaten das gesamte Gebiet. Die Selbstbefreiung war der Versuch, möglichst viele Gefangene vor den sog. Todesmärschen zu retten und es gelang schließlich, die letzten NS-Wachmannschaften zu überwältigen. Im Lager wurden zuvor Zehntausende brutal ermordet. Im KZ Buchenwald saßen auch die viel zu wenigen (deutschen) Widerstandskämpfer, die sich gegen das faschistische Regime gewehrt hatten. Viele ehemalige Gefangene haben danach den berühmten „Schwur von Buchenwald“ geprägt:
„Die endgültige Zerschmetterung des Nazismus ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ideal.“
Hohe Zahlen weisen auf Versagen der Behörden hin – Solidarität mit den Betroffenen!
Rund dreimal in der Woche findet ein rechter Angriff in Sachsen-Anhalt statt, wobei die Grauzone nicht unerheblich ist. Das geht zumindest aus einem Bericht der Mobilen Opferberatung für das Jahr 2022 hervor. 156 Angriffe gab es, die sich gegen 227 Betroffene richteten. Gerade das Maß an rassistischer Gewalt erschreckt, aber auch Queerfeindlichkeit und rechte Attacken auf politische Gegner*innen finden viel zu häufig statt. Die Behörden müssen darauf reagieren und sich schützend vor Betroffene und Antifaschist*innen stellen, anstatt Taten zu verharmlosen oder Antifaschismus gar zu kriminalisieren, wie wir es bei Lina E. in Sachsen sehen. Halle ist mit 48 Taten auch deshalb Hochburg, weil sich hier die extreme Rechte immer wieder Raum nehmen kann und scheinbar keine Konsequenzen dabei fürchten muss. Das muss sich dringend ändern, damit Sachsen-Anhalt für alle sicherer wird.
Gestern waren wir im Gymnasium der Jugenddorf-Christophorusschule in Droyßig bei Zeitz auf Einladung von Schuldirektor Herr Dr. Auerswald. Er begann seine einleitende Worte mit
Aus der Vergangenheit wächst die Zukunft!
Gymnasium der Jugenddorf-Christophorusschule in Droyßig bei Zeitz
Die Schüler der 9.Klassen haben schon Buchenwald besucht. Auch ein Besuch in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau steht in der 10. Klasse auf dem Plan. Unsere Vorsitzende Gisela Döring berichtete von der dreijährigen Arbeit an dem Buch von Dr. Werner Dietrich aus der Reihe Wider das Vergessen – „Die deutschen Opfer der NS-Gewaltherrschaft in Zeitz und Umgebung“. Von besonderer Bedeutung für die organisierte Arbeiterbewegung waren SPD, KPD und Gewerkschaften, die nach 1933 den Kampf gegen den faschistischen Terror in der Illegalität fortsetzten, trotz Verhaftungswellen und Schauprozessen. Viele Antifaschisten wurden in Konzentrationslager deportiert oder Zuchthäuser gesperrt.
Heute vor 22 Jahren verstarb Willi Worg an den Misshandlungen durch Neo-Nazis in Milzau (Saalekreis). Der 38-jährige wurde brutal zusammengeschlagen. Obwohl im Prozess deutlich wurde, dass die besondere Brutalität Kennezeichen der rechten Szenezugehörigkeit der Täter war, wird Willi Worg nicht offiziell als Opfer rechter Gewalt anerkannt. Mehr dazu findet ihr hier:
Protest am 29. März ab 18:30 Uhr vor dem Rathaus in Wernigerode (Harz)
In Wernigerode finden derzeit rassistische Proteste gegen Geflüchtete statt. Das Ziel ist die Errichtung einer rechten Hegemonie, Hetze gegen die Zivilgesellschaft gehört dazu, die Verstärkung eines rassistischen Klimas steht auf der Tagesordnung. Aber es gibt Widerstand: Das Bündnis bunter Harz ruft dazu auf, dem entgegenzutreten und sich deutlich gegen rassistische Hetze auszusprechen. Diese mutigen Antifaschist*innen brauchen Unterstützung – unterstützt diejenigen, die für eine offene Gesellschaft in Wernigerode eintreten!
Heute vor 90 Jahren wurde das sog. Ermächtigungsgesetz vom Reichstag in der Berliner Krolloper beschlossen. Der Beschluss kam aber nicht demokratisch zustande, sondern unter diktatorischen Bedingungen. Denn insbesondere die Reichstagsabgeordneten der KPD, die noch bei der ebenfalls schon unter der faschistischen Regierung stattfindenden Reichstagswahl am 5. März 1933 über zwölf Prozent geholt hatte, wurden schon seit der „Reichstagsbrandverordnung“ Ende Februar brutal verfolgt, in KZs gefoltert oder sind ins Exil gegangen. Nur dadurch, dass diese Abgeordneten nicht mehr mit einberechnet wurden, war eine 2/3-Mehrheit für das Ermächtigungsgesetz möglich, welches damit komplett illegal zustande gekommen ist. So hätte die KPD dagegen gestimmt, wenn sie gekonnnt hätte. In der Krolloper selbst stimmte nur die SPD geschlossen dagegen und sprach sich gegen die Hitler-Diktatur aus, obwohl SS- und SA-Leute die Abgeordneten bereits beschimpften und bedrohten und obwohl die Immunität der KPD-Abgeordneten schlicht ignoriert worden war. Versagt haben allerdings bürgerliche Parteien wie das Zentrum, die „Deutsche Staatspartei“ (DStP) und die Deutsche Volkspartei (DVP), die dem Ermächtigungsgesetz zustimmten und das mit der „nationalen Aufgabe“ begründeten. Auch sie waren Bedrohungen ausgesetzt und wurden später teilweise verfolgt, aber hier setzt sich ein Muster in der Weimarer Republik fort: So sahen viele Konservative, Rechte und Liberale die größte Bedrohung für die Nation stets in den Kommunist*innen und gerade nicht im deutschen Faschismus. So gab es auch in den Reihen dieser Parteien Vertreter*innen, die die Verfolgung der KPD explizit begrüßten. Ein konsequenter #Antifaschismus fehlte jenseits der Arbeiterparteien vollkommen.
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Bundesarchiv, Bild 102-09067 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 DE <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en>, via Wikimedia Commons