Salzwedel: Zum 80. Jahrestag der Befreiung und des Sieges über das faschistische Deutschland

10. Mai 2025

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Wahrheiten und Widersprüche zum 8. Mai

Dieser Große Vaterländische Krieg warf lange Schatten: über 1.400 Tage und Nächte, auf Tausenden Kilometern durch ihr Land und andere Länder. Durch intensive Kämpfe, Niederlagen und Verluste. Große Schlachten wie Kursk, Stalingrad, Seelow, Berlin. Trauer und Triumph. Westwärts den Feind jagen, wieder nach Deutschland zurück, bis zum Sieg. Im Liedtext Katjuscha der Roten Armee heißt es: „Tod der Faschistenmacht! Es breche über sie der Zorn, wie finstre Flut, herein. Das soll der Krieg des Volkes, der Krieg der Menschheit sein.“ 27 Millionen Menschen der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR) wurden durch Nazideutschland ermordet und ihr Land durch das Naziregime zerstört. Nicht gleich und nicht alle, aber mit der Zeit begriffen vor allem die DDR-Deutschen dieses Verbrechen und die geschichtlichen Konsequenzen, lernten die politische Verantwortung daraus.

Nie wieder Krieg – Nie wieder Faschismus.

Demzufolge gedachten am 8. Mai 2025 die Teilnehmer an der Kriegsgräberstätte des Perver Friedhof Salzwedel der 8 Toten russischer Herkunft und der 226 sowjetischen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter*innen aus den beiden Weltkriegen.

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80. Tag der Befreiung in Halle

9. Mai 2025

Am 8. Mai 2025 zum 80. Jahrestag der Befreiung haben wir auf dem Südfriedhof in Halle den alliierten Soldat*innen und deutschen Widerstandskämpfer*innen gedacht. Ca. 300 Teilnehmer folgten unserem Aufruf und der politischen Botschaft, die von diesem Tag ausgeht: „Nie wieder Krieg – nie wieder Faschismus!“ Auch Halle OB Dr. Vogt hat an unserem Gedenken teilgenommen. Imfolgenden geben wir die Redebeiträge wieder. Kerstin eisenreich (MdL, die Linke) sprache am Gräberfeld Rote Arme und unsere Landesvorsitzende Gisela Döring am Ehrenhain für die deutschen Widerstandskämpfer*innen.

Unser Gedenken würde von der Presse positiv aufgegriffen u. a. bei dubisthalle.de: https://dubisthalle.de/tag-der-befreiung-kranzniederlegung-auf-dem-suedfriedhof-in-gedenken-an-80-jahre-kriegsende

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Broschüre: 80 Jahre Befreiung – Sieg der Alliierten und des Widerstands. Porträts von Antifaschist*innen in Sachsen-Anhalt

1. Mai 2025

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Zum 80. Jahrestag der #Befreiung Europas vom Faschismus hat unser Landesverband eine Broschüre herausgegeben, die das Leben von einigen Widerstandskämpfer*innen aus oder mit Bezug zu Sachsen-Anhalt darstellt. Wir erinnern darin an Minna Bollmann, Lisel Paxmann, Martha Brautzsch, Rosi Wolfstein, Otto Herrmann, Max Lademann, Gustav Bachmann, Ernst Eckstein, Moses Biletzky, Paul Suhr, Robert Siewert, Rudolf Agricola, Max Dankner, Richard Dietrich und Walter Gabriel. Sie waren Sozialdemokrat*innen, Kommunist*innen oder Pfarrer, wurden von den Nazis ermordet, fielen als Spanienkämpfer oder kamen mit den Alliierten zurück nach Deutschland. Sie haben in der BRD oder in der DDR gelebt und haben sich dafür eingesetzt, die richtigen Lehren aus dem Tag der Befreiung zu ziehen.

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Solidarität mit der jüdischen Gemeinde zu Halle an der Saale

30. April 2025

Der Landesverband der Verfolgten des Naziregimes -Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten Sachsen-Anhalt e.V. ist entsetzt über den geplanten Anschlag auf die hallesche Synagoge, die schon einmal, im Jahr 2019, Ziel eines mörderischen Terrorangriffs war.

Wir, Nachkommen von deutschen Widerstandskämpfer*innen, darunter auch deutsch-jüdische Kameradinnen, verurteilen aufs Schärfste diese menschenverachtenden Pläne und versichern der jüdischen Gemeinde, dass wir, so wie wir das Existenzrecht Israels jederzeit verteidigen, in Solidarität und Freundschaft fest an ihrer Seite stehen.

Wir fordern die verantwortlichen Behörden auf, alles zu tun, um volle Aufklärung in diese verbrecherische Planung zu geben.

Solidarität mit der jüdischen Gemeinde!

Landesverband VVN-BdA Sachsen-Anhalt
Gisela Döring
Vorsitzende

Mehr Fragen als Antworten – Zu 80 Jahren Massaker von Gardelegen

11. April 2025

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Die Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe (GFI) Gardelegen in Sachsen-Anhalt erinnerte am Sonntag, 6. April 2025, mit einer Gedenkfeier an das faschistische Endphaseverbrechen, unter dem Thema „Fragen der Schicksalsklärung. An mehr als 1.016 KZ-Häftlingen, die am 13./14. April 1945 bei einem Massaker in der rund einen Kilometer nordöstlich der Stadt gelegenen Isenschnibber Feldscheune und bei Todesmärschen um Gardelegen, in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs, ihres Lebens beraubt und ermordete wurden. Sie kamen aus verschiedenen der fast 40 Außenlager des KZ Mittelbau-Dora, am Kohnstein bei Nordhausen und aus Hannover-Stöcken, einem der etwa 90 Außenlager des KZ Neuengamme, südöstlich vom Zentrum Hamburg-Bergedorf. Die nun Anfang April 1945 Frontnah geworden und daher auf unmenschliche Räumungstransporte getrieben worden sind.

Bis 2015 wurde die Stätte in der Altmark, die zwischen 1949 und 1971 in mehreren Bau- und Entwicklungsabschnitten entstand, als Mahn- und Gedenkstätte Isenschnibber Feldscheune bezeichnet. Ihren aktuellen Namen vereinbarten die Hansestadt Gardelegen und die Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt gemeinsam in einem Vertrag zur Überführung der vormals kommunalen Gedenkstätte in die Trägerschaft des Landes Sachsen-Anhalt.

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Redebeitrag zum Film „Unrecht und Widerstand“ #Bildungswochen2025

26. März 2025

Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer,
meine Legitimation, dass ich heute in unserer Veranstaltung anlässlich der Bildungswochen gegen Rassismus, statt Sevin Begovic, der als Angehöriger der nationalen Minderheit Sinti und Roma dafür prädestiniert ist, einige Gedanken zur Einführung in das Thema des Films machen werde, besteht darin, dass Gründungsmitglieder unseres Verbandes, der VVN, auch Angehörige der Sinti und Roma waren und sind und wir mit dem Zentralrat deutscher Sinti und Roma eng zusammenarbeiten.
Der zu zeigende Film „Unrecht und Widerstand“ soll gegen den noch bestehenden und wieder gesellschaftsfähig werdenden Antiziganismus sensibilisieren.
Unser LV, als Gründungsmitglied von Halle gegen Rechts – Bündnis für Zivilcourage, beteiligte sich vor einigen Jahren aktiv an mehreren Demonstrationen in der Silberhöhe gegen rassistische Vorfälle gegen Sinti und Roma, vor allem auch gegen Frauen und Kinder gerichtet. Zwischenmenschliche Problemfälle wurden einige Jahre später in der Schlosserstr. zu generalisierten antiziganistischen Attacken aufgebläht. In den Printmedien stellten wir uns als LV dem entschieden entgegen.
Stereotype Vorurteile, Klischees, seit Jahrhunderten im kollektiven Gedächtnis eingelagert, wurden dort sichtbar und sind auch heute nicht verschwunden.
In einem damaligen Werbeplakat titelte die NPD: „Statt Geld für Sinti und Roma, Geld für die Oma.“
Von Menschenverachtung, Herabwürdigung, das ganze Spektrum gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit wird hier deutlich. Heute übernimmt das die AFD. Verachtung, Diskriminierung erfuhren die Sinti und Roma, die seit dem 14.JH. in Deutschland beheimatet sind, von Anfang an. Sie wurden verfolgt, festgesetzt, drangsaliert. Am äußersten Rand, in Armut und Elend lebend, aber in Großfamilien zusammengefasst, die ihnen Geborgenheit und Schutz boten. Einige von ihnen, ab 19./ 20.Jh., erarbeiteten sich relativen Wohlstand, so wie in Osendorf, J. Weinlich, Pferdehändler und Fuhrwerksbesitzer. Sein von ihm gebautes Mausoleum, lange schon marode, ist in die guten Schlagzeilen geraten: viele Akteure der Stadt Halle, die Stadt selbst, die Gedenkstätte Roter Ochse, das Elisabeth-Gymnasium, der Runde Tisch mit der AWO u.a. haben geschafft, dass dieses einzigartige materielle Kulturgut saniert wird.
Diese Anfänge von Wohlstand wurden in der Zeit des dt. Faschismus in grausamer Weise zerstört .
Es begann mit den Nürnberger Rassegesetzen von 1935, in der die Sinti und Roma wie die Juden als artfremd bezeichnet wurden. 1938/39 folgte ein Runderlass zum Verbot des Reisens. Die Folge: sie wurden von ihrer Handelstätigkeit abgeschnitten.
Ab 1940 erfolgten die ersten Deportationen. 1943 blies man zur Lösung der sogen. Z-Frage.
In Halle erinnern am Neumarkt und vor der ehemaligen Frauenklinik Stolpersteine an unsere Sinti und Roma Mitbürger*innen.
70% der deutschen Sinti und Roma wurden von den deutschen Faschisten ermordet.
Unser, vor einigen Jahren verstorbenes Mitglied, Hugo Höllenreiner, beschreibt in seiner Autobiographie den grausamen KZ-Alltag in Auschwitz: wie er es mit ansehen musste, dass Kleinkinder vor den Augen der Mütter erschlagen wurden, auf flüchtende Kinder Handgranaten geworfen wurden und deren Arme und Beine durch die Luft flogen, wie sie Leichen in Gruben werfen mussten:
„Das war dann immer da, immer, das ging nicht weg…“

Die Überlebenden kamen nach der Befreiung 1945 wieder nach Hause. Wo sollten sie hin? Sie hatten keinen Nationalstaat. Sie waren Deutsche, aber von der Dominanzgesellschaft, die meisten Postnazis, weiterhin verachtet.
Wenn sie Geld auf der Bank gehabt hatten, hatten sie keines mehr. Ihr Name war gelöscht, das Konto
auch. Es stand ihnen niemand bei. Sie waren kalt enteignet. Andere hatten sich bereichert.
Der Völkermord an den Sinti und Roma wurde geleugnet. Es gab keinen Wiedergutmachung. Von alten Seilschaften in den Behörden und Amtsärzten wurden sie darum betrogen.
Flächendeckend gab es ungebrochene personelle Kontinuitäten in Verwaltung, Polizei, Justiz und Schulen. Ehemalige SS-Beamte aus dem Reichssicherheitshauptamt führten die Erfassung von Sinti und Roma im bayrischen LKA als „Landfahrerzentrale“ fort.
1953 legte die bayrische „Landfahrerverordnung“ fest, dass für die, „die in Horden umherziehen,“ ein Landfahrerbuch mit Fingerabdrücken mitzuführen ist. Dazu wurden Akten aus der NS-Zeit weiter benutzt, mit kleiner Schönheitsoperation: Hakenkreuzentfernung und Rausnehmen der Rassegutachten.
1956 urteilte der BGH: dass die Sinti und Roma von den dt. Faschisten nicht rassisch verfolgt wurden, sondern es eine reine kriminalistische Präventivmaßnahme war.
Dazu erläuterte das hohe Gericht, dem ehemalige NS-Richter vorstanden: Sie haben die Neigung zur Kriminalität, zum Diebstahl. Keinerlei sittliche Antriebe, aber einen großen Okkupationstrieb.
Erst 2016 entschuldigte sich die Präsidentin des BGH beim Volk der Sinti und Roma für diese skandalösen Zuschreibungen. Die Schreibtischtäter waren da nicht mehr am Leben.
Eine neue Generation der Sinti und Roma wuchs heran. Sie waren nach dem Krieg geboren. Sie wollten so entrechtet nicht mehr leben. Sie zweifelten daran, dass die BRD ein demokratischer Rechtsstaat war.
1980 führten sie einen 1-wöchigen Hungerstreik im ehemaligen KZ Dachau durch. Ihre Forderungen: Anerkennung des Völkermords an den Sinti und Roma und Beendigung der Sondererfassungen.
Sie besetzten LKA und forderten die Herausgabe der NS-Akten, um Beweise für die Wiedergutmachungen ans Licht zu ziehen.
1982 wurde der neugegründete ZR dt. Sinti und Roma vom damaligen Bundeskanzler Helmuth Schmidt empfangen: der Völkermord an den Sinti und Roma wurde nun endlich anerkannt.
In den 90ern/ 2000er Jahren gab es von EU-Seite Richtlinie zur Anerkennung der größten europäischen Minderheit, der Sinti und Roma, als nationale Minderheit sowie zu ihrer Förderung und Durchsetzung der Menschenrechte.
So wurde 1995 in der BRD das Volk der Sinti und Roma als nationale Minderheit anerkannt.
Teile der Sondererfassung der Sinti und Roma blieben bis 2005: bei Vernehmungen durch die Polizei musste eine Rubrik Sinti und Roma angekreuzt werden. Das war vor 20 Jahren. Da waren wir als ehemalige DDR schon seit 15 Jahren BRD. Bei aller Kritik an der DDR: Sondererfassungen gegen Sinti und Roma gab es nicht. Die Hälfte der Überlebenden, die hier wohnten, erhielten die OdF-Rente, mussten aber eine Arbeit vorweisen, da es in der DDR sowohl das Recht als auch die Pflicht zur Arbeit gab.
Die heutige Bürgerrechtsbewegung richtet sich vor allem auf die umfassende Teilhabe an Bildung, an Bildungsgerechtigkeit, Chancengleichheit am gesellschaftlichen Leben.
Immer noch werden zu viele Kinder aus Sinti und Roma-Familien in Förder-Sonderschulen abgeschoben. Immer noch ist der tiefste Grund in den schweren Traumata des entsetzlichen Erlebens der Jahre in den Vernichtungslagern und danach in der zweiten entwürdigenden Entrechtung zu suchen. Viele Elterngenerationen haben durch die NS-Jahre und danach Bildungsdefizite, die sich verfestigten. Kinder wachsen dadurch ohne nenneswerte Anregungen und Hilfe zur Bildung auf.
Hier, so fordern junge Wissenschaftler, Politiker und Fuktionäre aus der Sinti und Roma-Community, muss der Staat seiner Verantwortung, laut EU-Richtlinie zur zielgerichteten Förderung von Minderheiten gerecht werden. In einigen Bundesländern gibt es schon Schulmediatoren, die Kinder begleiten und sie zielgerichtet fördern. Schule darf nicht Angstraum für Kinder sein. Ihre Persönlichkeit muss ganzheitlich gefördert und gestärkt werden.
Das, so der Zentralrat, muss auch bei den Roma aus den Balkanstaaten greifen.
Seien wir solidarisch. Unterstützen wir diese humanen Forderungen. Fordern wir auch das Bleiberecht für die Roma aus sogenannten sicheren Staaten, wo sie in Elend leben.
Unterstützen wir auch den Kampf für das unbeschadete, ideelle Denkmal für die Sinti und Roma in Berlin, unter dem, nach Willen der Deutschen Bahn eine S-Bahn-Linie fahren soll.
Ausgerechnet die Deutsche Bahn, die mit der Deportation von Juden und Sinti und Roma Blutgeld verdient hat.
Setzen wir alles daran, dass wir den Antiziganismus in unserer Gesellschaft besiegen.
Wir tragen die historische Verantwortung dafür.

Den 8. Mai zum Feiertag erklären!

26. März 2025

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An: Landtag von Sachsen-Anhalt
Herrn Landtagspräsidenten Dr. Gunnar Schellenberger
Landtagsfraktionen von Sachsen-Anhalt
Betreff: Den 8. Mai zum Feiertag erklären

Sehr geehrter Herr Landtagspräsident Dr. Gunnar Schellenberger,
Sehr geehrte Mitglieder der Landtagsfraktionen von Sachsen-Anhalt!

Der Landesverband VVN-BdA Sachsen-Anhalt e. V. möchte das in den Medien verbreitete Ansinnen der Landtagsfraktion der Partei Die Linke, in Form eines Antrages an den Landtag von Sachsen-Anhalt, den 8. Mai als gesetzlichen Feiertag in das Feiertagsgesetz von Sachsen-Anhalt aufzunehmen, unterstützen.

Als älteste antifaschistische Organisation Deutschlands, deren Gründerinnen, die Überlebenden der KZ und Zuchthäuser, die Emigrantinnen, die in den besetzten Ländern als Partisaninnen gekämpft hatten und als Angehörige der alliierten Streitkräfte die Ehre eines anderen Deutschlands hochhielten, erfüllen wir das Vermächtnis der aus allen Schichten der Bevölkerung Deutschlands stammenden Widerstandskämpferinnen, indem wir heute unsere Stimme gegen Rechtsextremismus und Neofaschismus erheben.
Wir alle, die wir heute und hier leben, verdanken die Möglichkeiten eines Lebens in Frieden, Freiheit und Vielfalt den Siegern des 8. Mai, der Anti-Hitler-Koalition. In diesem Kontext, anlässlich des 80. Jahrestages der Befreiung vom deutschen Faschismus, ist es angemessen, den in vielen europäischen Ländern von Anfang an zum Feiertag erklärten Gedenktag – 8.Mai – auch hier, in Sachsen-Anhalt, zum gesetzlichen Feiertag zu erklären.
Damit wird seine historische Bedeutung als Fanal für vielfältige Möglichkeiten eines friedlichen Zusammenlebens der Völker, für Demokratieentwicklung, Freiheit und soziale Gerechtigkeit im historischen Bewusstsein vor allem von jungen Menschen verankert. Gleichzeitig ermuntern wir die junge Generation, indem sie der Opfer des Faschismus gedenken und sich am Beispiel des Mutes der unter Lebensgefahr handelnden Widerstandskämpferinnen einsetzen und engagieren für Demokratie, Weltoffenheit und Humanismus. Sehr geehrter Herr Landtagspräsident Dr. Gunnar Schellenberger, Sehr geehrte Mitglieder der Landtagsfraktionen des Landes Sachsen- Anhalt, wir bitten Sie, als gewählte Vertreterinnen der Bevölkerung von Sachsen-Anhalt, sich für die Aufnahme des 8. Mai, des Tages der Befreiung, in das Feiertagsgesetz von Sachsen- Anhalt auszusprechen.

Mit freundlichen Grüßen,
Gisela Döring
Vorsitzende
Landesverband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten
Sachsen-Anhalt e. V.

Eine Erinnerung an den Deutschen Bauernkrieg vor 500 Jahren

20. März 2025

Der Bauernkrieg war die erste Revolution auf deutschem Boden und dauerte zwischen 1524 und 1526, also etwa zwei Jahre. Angesichts einer religiösen Umwälzung erheben sich Untertanen gegen ihre Herren. Er begann mit lokalen Aufständen in Süddeutschland und verbreitete sich rasch in weiteren Regionen. Dies umfasst insbesondere das Oberrheingebiet, Württemberg, Oberschwaben, Franken, Thüringen, Sachsen, Tirol, Schweiz und Elsass. Bereits vorher gab es Erhebungen wie den vom Armen Konrad 1514 im Remstal östlich von Stuttgart. Doch zehn Jahre später erschütterten Bauernaufstände das gesamte Heilige Römische Reich Deutscher Nation. Die Bergknappen und Städter verbündeten sich mit den Bauern. Es entwickelte sich eine Massenbewegung, wie sie zuvor und nie wieder in Deutschland stattgefunden hat.

Das Manifest der Zwölf Artikel, das Vertreter mehrerer Bauernhaufen am 20. März 1525 in Memmingen in Schwaben verabschiedeten, glich einem revolutionären Programm, das keinesfalls utopisch, sondern durchaus realisierbar gewesen wäre. Es enthielt einen Begriff von Freiheit, der weit über Luthers eigentliche Un- „Freiheit des Christenmenschen“ hinausging. Sie strebten tatsächlich nach Freiheit und Gleichheit. Das artikulierte sich in dem wohl berühmtesten Spruch aus dem Bauernkrieg: „Als Adam grub und Eva spann, wo war denn da der Edelmann?“ Es ging um mehr als die lutherische religiöse Freiheit. Die zwölf Artikel beginnen mit dem Postulat: „dass wir nun führohin Gewalt und Macht wöllen“. Die Aufständischen rebellierten gegen die Adeligen und die Kirche, wollten ihre Pfarrer selbst wählen und sich von materieller Not befreien. Sie forderten eine Reform der Abgaben und die Abschaffung der Leibeigenschaft. Auch das Jagen und Fischen sollten nicht nur ein Privileg der Adeligen, sondern allen gestattet sein.

Die Idee der Gleichheit ist in zahlreichen Dokumenten des Bauernkriegs zu finden. Der Reformator Martin Luther, zunächst sympathisierte er mit den Bauern, die sich auf seine Thesen und seine Lehre von der Freiheit eines Christenmenschen beriefen, fand das alles unerhört, vor allem die Forderung nach Aufhebung der Leibeigenschaft: „Das heißt christliche Freiheit ganz fleischlich zu machen.“ Noch unverblümter verurteilte der Theologe der Reformation, Philipp Melanchthon, das Ansinnen der Rebellen: „Es ist auch ein Frevel und Gewalt, dass sie nicht wollen leibeigen sein“. Denn es galt, der Bauer ist ein Objekt der Herren, nicht viel mehr wert als eine Milchkuh oder ein Ochsengespann. Er war nicht nur entrechtet und wurde gnadenlos von weltlichen und geistlichen Herren ausgebeutet, er war Zielscheibe von Spott, Verachtung und als tollpatschig verschrien. Der Bauer und sein Verbündeter, der „gemeine Mann“ sie wollten nicht mehr das Objekt, sondern das Subjekt, die Basis der Gesellschaft sein.

Eine herausgehobene Bedeutung bei der Niederschlagung des Bauernkriegs hat die Schlacht von Frankenhausen. Sie hängt damit zusammen, dass der Thüringer Bauernhaufen zu den größten gehörte, und der charismatische radikale Prediger Thomas Müntzer, der für ein Gottesreich auf Erden kämpfte, und die Bauern in die Schlacht geführt hatte. Bei Frankenhausen traten die verschiedenen Fürstenheere gemeinsam gegen die Bauern an. Aber die militärisch unerfahrenen Bauern haben den gut gerüsteten Söldnerheeren nichts entgegenzusetzen. Und Luther hatte kurz zuvor seine Schrift „Wider die mörderischen und räuberischen Rotten der Bauern“ verfasst, mit der er die Landesherren dazu aufrief, keine Gnade walten zu lassen. Er will – und kann – die Gesellschaft nicht revolutionieren. Für ihn ist die Obrigkeit göttlich legitimiert, will „nur“ die Kirche erneuern. Zudem betrachtet er die Fürsten als stärkste Kraft im Reich und sucht ihren Rückhalt. Ab Ende April 1525 entwickelte sich Frankenhausen/Kyffhäuser zu einem Zentrum der Bauernerhebungen in Thüringen.

Schlachtberg am Kyffhäuser mit Panorama Museum, Bad Frankenhausen

Am 10. Mai machte sich Müntzer mit 300 Mann, 8 Karrenbüchsen und der Regenbogenfahne auf den Weg von Mühlhausen nach Frankenhausen, das er am 11. Mai gegen Mittag erreichte. Die Unterstützung der Frankenhäuser Aufständischen aus anderen Gebieten war kaum noch zu erwarten, da die Bauern bereits vielerorts durch die errungenen lokalen Verhandlungsergebnisse aufgaben und abzogen oder von den fürstlichen Truppen zerschlagen wurden. Demnach standen den etwa 8.000 Aufständischen, die mit mindestens 15 Geschützen, als Waffen genutzten Arbeitsgeräten (Sense, Sichel, Dreschflegel, Gabel) und den Waffen der zum Waffentragen berechtigten Bergknappen (Spieße, Hellebarden, Kurzsäbel) bewaffnet waren, mindestens 6.000 Landsknechte und Berittene auf Seite der Fürsten gegenüber. Die fürstlichen Truppen wurden derart aufgestellt, dass ein Ausweichen der Aufständischen aus ihrer Wagenburg nicht mehr möglich war. Als das fürstliche Heer den vereinbarten Waffenstillstand brach, unvermutet und heftig mit Geschütz, Reiterei und Fußvolk angriff, waren die Bauern vollkommen überrascht und gerieten in Panik. Sie fanden keine Zeit, die Waffen zu ergreifen oder eine organisierte Gegenwehr zu errichten. Die Masse der Aufständischen flüchtete in die Stadt und wurde dort durch die fürstlichen Truppen niedergemetzelt. Nur wenigen Aufständischen gelang die Flucht. Im Verlauf der direkten Schlacht wurden mindestens 6.000 Menschen getötet. 600 Aufständische wurden gefangengenommen, von denen noch am 16. Mai 300 vor dem Frankenhäuser Rathaus oder auf dem Anger hingerichtet wurden.

Die Ursachen der Niederlage der Bauern lagen nicht nur in ihrer Unterlegenheit bezüglich der Bewaffnung und Kampfausbildung gegenüber den Landsknechtsheeren der Fürsten, sondern auch in der Uneinigkeit der jeweiligen Bauernführer. Das machte sich in ihrer unterschiedlichen Zielsetzung bemerkbar. Die meisten waren hauptsächlich auf die Interessen der Bauern ihrer Region ausgerichtet. Nur wenige, wie etwa Thomas Müntzer, sahen eine gesamtdeutsche Aufgabe in ihrem Handeln. Die Schlacht bei Frankenhausen am 15. Mai 1525 war genaugenommen bereits verloren, bevor sie begann. Es handelte sich tatsächlich um ein Gemetzel, in dem mehrere Tausend Bauern getötet oder ihre Höfe geplündert wurden. Nach Arretierung, Verhör und Folter in der Festung Heldrungen wird am 27. Mai 1525 Thomas Müntzer mit 53 Anhängern vor den Toren im Feldlager der Fürsten in Mühlhausen öffentlich enthauptet, sein Leib aufgespießt und sein Kopf auf einen Pfahl gesteckt. Währenddessen fand die Schändung Ottilie von Gerson, die Frau von Müntzer, statt. Es wurde ein Untertanenstaat mit schlimmster Prägung etabliert. Die Habsburger hetzten ihre Häscher auf die Spur von Flüchtlingen und Gegnern noch bis in die 1530 Jahre hinein, bis zu ihren Exilorten, und ließen sie dort meucheln. In der Folgezeit von Feudalstaaten über Preußen bis in die NS-Diktatur wurden nun mehr und mehr Gehorsam und Treue als oberste Ideale eingefordert. Der Staat, der Kaiser, galt als unbestrittene und unangreifbare Autorität und wurde in Heinrich Manns Roman aus dem Jahr 1914 „Der Untertan“ bestens beschrieben.

Heute erinnert das Bauernkriegspanorama bei Bad Frankenhausen mit dem Monumentalgemälde von Werner Tübke Die Frühbürgerliche Revolution in Deutschland an diese Entscheidungsschlacht.

Eine der wichtigsten Schlussfolgerungen aus dem Bauernkrieg von vor 500 Jahren: „Die materielle Sicherheit für jeden und Wahrung demokratischer Strukturen. Dass sich nicht wieder Gewalten über uns erheben, die uns entmündigen und entrechten. Und diese Gefahr lauert durchaus von rechts“, meint Prof. Peter Seibert, Autor „Die Niederschlagung des Bauernkriegs 1525, Beginn einer deutschen Gewaltgeschichte“.

Klaus-Peter Schuckies
Vorstandsmitglied

Quellen

Eigene Gedanken in Verwendung mit nd-Artikel vom 21.5.2025 und dem Buch, Die Niederschlagung des Bauernkriegs 1525

Zum Artikel „Jenseits der Angst“ vom 3. März 2025

11. März 2025

Der Landesverband der VVN-BdA Sachsen-Anhalt e.V. schätzt die geschichtspolitische Arbeit des „Zeit-Geschichten-Vereins“, vor allem, aus unserer Perspektive, die Thematisierung der Zeit des deutschen Faschismus.

Um so befremdeter sind wir, dass in diesem Kontext, im Gespräch des Autors mit der Mitgründerin des o.g. Vereins, Heidi Bohley, darauf verwiesen wird, dass „die Entrechtung von Juden in den NS-Jahren und in der frühen DDR“ mit im Fokus der Vereinstätigkeit steht.

So, wie es ausgesagt wird, ist das eine geschichtsrevisionistische Wertung, die wir als VVN-BdA entschieden zurückweisen.

Mit dieser Aussage wird eine Parallelität zwischen einem monströsen Mörderstaat und der ehemaligen DDR hergestellt, der faschistische deutsche Terrorstaat verharmlost und die DDR, durchaus kritisch zu betrachten, dämonisiert.

Zum Artikel „Jenseits der Angst“ vom 3. März 2025 weiterlesen »

27. Januar Gedenken in Gardelegen: Nie wieder ist jetzt!

11. Februar 2025

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Foto: Sophie Weinamann (Volksstimme)

„Nie wieder ist jetzt“. Dieses politische Schlagwort, das im Jahr 2024 sehr populär wurde, ist eine Gegenreaktion auf das Erstarken rechter Parteien und rechter Ideen sowie ein Bekenntnis zur Verantwortung und Verhinderung von Ungerechtigkeit, Hass, Rassismus und Diskriminierung. Dieses Motto vereinte die Anwesenden zur Gedenkveranstaltung am 27. Januar, dem Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust, auf dem Gelände der Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe (GFI) in Gardelegen. Passend dazu eröffnete Stefan Winzer, Leiter der GFI, eine Foto- und Zeichnungsausstellung von Schülern, die die Konzentrationslager in Auschwitz und Theresienstadt besucht haben.

Die markanten Worte „Nie wieder ist jetzt“ sind ein Zitat aus der deutschen Sprache, welches sich historisch auf die Shoah im Zweiten Weltkrieg bezieht. Es ist das düsterste Kapitel der deutschen Geschichte. Das sich zu wiederholen scheint oder sich zumindest anbahnt. Erstmalig verwendeten Initiatoren und Kulturverantwortliche in Frankfurt am Main und im Rhein-Main-Gebiet diesen prägnanten Satz am 10. Dezember 2023 in ihrem Aufruf, insbesondere in Anbetracht des Attentats vom 7. Oktober 2023 in Israel und des Terrorismus der Hamas, sowie aufrufend zur Solidarität und zur Förderung von Respekt und Vielfalt in unserer Gesellschaft.

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